100 Jahre Luger P 08 Werle Luger Jagdkarabiner Cal. 45 ACP
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100 Jahre Luger P08 Ich habe mich in den vergangenen Tagen gefragt: was kann man nach 100 Jahren, die sich exakt am 22.08.2008 seit der Einführung durch Kaiser Wilhelm abrunden und wir als Jubiläum ansehen, tun, dies zu honorieren? - Vielleicht auch einmal die technischen Schwierigkeiten aufzuzeigen, die mit einer "Weiterentwicklung" verbunden sind. Ich vermisse, dass Georg Luger, John Moses Browning und viele andere Konstrukteure so gut wie nie zu Wort kommen - welches mich besonders interessieren würde! Nicht zu bezweifeln ist, dass die Pistole P 08 bereits im ersten Weltkrieg als universelle Waffe eingesetzt wurde, dies trotz ihres geringen Kalibers, zuerst im Kaliber 7,65 Para (.30 Luger) sowie auch in 9 mm Para (9 mm Luger). Die von Georg Luger bei DWM gefertigten zwei Prototypen im Kaliber .45 ACP wurden 1907 in den U.S.A. getestet. Georg Luger dürfte so einige Probleme bis zu diesem Test gemeistert haben, die aber niemand als erwähnenswert empfindet. Da ich mich nun bereits seit mehr als 25 Jahre mit dieser Pistole befasse, be- merkte ich, dass bei einer Lauflänge von ca. 300mm die Funktion nicht mehr gewährleistet war, das Kaliber 9 mm Para hat hier seine Grenze. Der Rückstoßimpuls war zu gering bzw. im Umkehrschluß die "Laufmasse" zu groß. Der kurze Rücklauf des verriegelten Systems bis zum Anstoß und dem Öffnen des Kniegelenks bei vorhergehender "Unterknickung" schluckte, bzw. verbrauchte zu viel Energie! Bei der von mir relativ einfach, umgebauten Pistole P 08 im Kaliber .45 ACP war es noch schlimmer und verhielt sich gerade umgekehrt!! Ich verbrachte Monate auf dem Schießstand Woche für Woche, manchmal sogar dreimal pro Woche testete ich diese Pistole im Kal. .45 ACP - es war zum verzweifeln! Hatte ich mich anfangs auf dem Schießstand hinter einer Brüstung versteckt um eventuell herumfliegenden Teilen beim Schuß nicht im Wege zu stehen - verlor ich nach einigen Schuss vollkommen den Respekt vor dieser Patrone! Es tat sich gar nichts, ich hatte eine Einzellader - Pistole gebaut....
Der Rückstoßimpuls reicht zu 95% der verwendeten handelsüblichen Munitionssorten noch nicht einmal für einen richtigen Hülsenauswurf! Man möge es mir verzeihen doch seit diesen Tagen betrachtete ich die Patrone .45 ACP mit anderen Augen und war mir gewiss - sie kommt gleich hinter.... dem "urzeitlichen" Steinwurf. Nun, die Pistole P 08 braucht bei weitem mehr, nicht unbedingt mehr Power. Nein ein ausgewogenes Verhältnis von Masse, Energie und vor allem einen angemessenen Kaliberquerschnitt. Alle Versuche eine einwandfreie Funktion herbeizuführen schlugen fehl. Ich verkürzte den Lauf von 150 mm auf 120 mm dann 100 mm, reduzierte die Laufmasse zusätzlich durch Abdrehen des Laufdurchmessers - es hatte alles keinen Zweck! Ich umwickelte das Griffstück letztendlich noch step by step mit einem Kilogramm Lötdraht... welch eine Zeitvergeudung! Ich hatte genug; bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich fast 2500 Patronen im Kaliber .45 ACP verschossen, ich hätte sie auch verschenken können und dabei wahrscheinlich noch ein besseres "Gefühl" empfunden als diesen fortwährenden "Frust". Jetzt wollte ich es wissen und machte mich daran gerade bei der vorgegebenen Grenze im 9 mm Bereich von 300 mm Lauflänge beginnend einen Karabinerlauf im Kaliber .45 ACP herzustellen. Das Ergebnis:  "Freudensprünge" auf dem Schießstand, denn der Repetiervorgang funktionierte fast zu 80% bei allen 4 Schuss (Kapazität des Griffstücks) hintereinander mit Magtech SWC 230grs. später noch besser mit Winchester .45 Auto 185gr. FMJ (empfohlene Munition von John Vernon Martz). Der Entriegelungsvorgang des Browningsystem gestaltet sich bei weitem einfacher und vom Energieverbrauch her wirtschaftlicher - aber alles hat seinen Preis - eine universelle Waffe wird sich nicht im Nachhinein den gewollten Anforderungen einer Kommission fügen ..... das Pulver ist sicherlich auch ein Grund - aber vor allem die Konzeption! Borchardt, Georg Luger, John Martz und viele mehr sind in einer Reihe zu benennen die mich inspirierten. Ich glaube, auch ich habe ein wenig dazu beitragen können 100 Jahre Geschichte abzurunden...
Rev39    12/2017